Das verlorene Paradies

Nicola Förg

Krimi-Autorin

Nicola Förg ist Autorin und freie Reisejournalistin für Tageszeitungen und Fachmagazine. Sie liebt Tiere über alles, deswegen engagiert sie sich stark für den Tierschutz. Auch in ihren Büchern geht es oft um Tiere und deren Lebensumstände.

ELEND AUCH BEI HUND & KATZ
Kristiane Schott arbeitete ursprünglich mit Greyhounds und hat dadurch auch die Schattenseiten der Hunderennbahnen kennengelernt. In Irland zählen Hunde zwar generell als Haustiere, Rennhunde jedoch werden als landwirtschaftliche Nutztiere angesehen, die in teils erbärmlichen Verschlägen gehalten und zum Ende der Rennkarriere – oder wenn sie erfolglos sind – getötet werden. Schott begann mit der Rettung von Hunden, es kamen Katzenbabys dazu, die man in Irland auch gerne in der Einöde „entsorgt“. Und dann entsetzte Schott das Pferdeelend. Die Deutsche vermittelt Hunde und Katzen nach Deutschland.  www.facebook.com/PussInBootsAnimalRescue

Geld für Heu: Kristiane Schott, Tel.: 0035 / 3909749427; Kto. Bank of
Ireland Scariff, IBAN: IE02BOFI90441310777841, BIC: BOFIIE2D.

Die Kriminalautorin Nicola Förg lässt ihr gut recherchiertes Wissen und ihre profunde Kenntnis von der Not der Tiere und der Problematik rund um den Tierschutz in ihre Geschichten einfließen. Kristiane Schott war davon so begeistert, dass sie kurzerhand Kontakt mit der bekannten Autorin aufgenommen hat. Die wiederum war so angetan von Frau Schotts Engagement für die irischen Tiere, dass sie die "Irish Farm of Hope" in Irland besucht hat.

Nicola Förg hat einen Reisebericht über Ihren eindrucksvollen Besuch auf Kristianes Farm geschrieben. Er wurde am am 8./9. September im Münchner Merkur veröffentlicht. Wir drucken Ihn hier ab:

Sie ist eine schöne Schimmelstute. Hochbeinig mit edlem Kopf. Sie läuft auf eine Herde von Pferden zu, verharrt, wirkt zunehmend panisch. Aus der Herde, die aus Tinkern, ein paar Shetland Ponys, Eseln, drei Connemaras und einigen Vollblütern besteht, stürzt eine Stute heraus. Bleckt das Gebiss, wirft die Vorderhand, die Schimmelstute flüchtet. Ihre Flanken beben.  Doch dann passiert etwas Ungewöhnliches: Eine andere Stute aus der Vollblutgruppe nähert sich langsam der Schimmelstute, die noch völlig angespannt ist. Dann ein leises Schnobern, die beiden Pferde senken ihre Köpfe und begrüßen sich. Die zwei kennen sich! Und nur weil das so ist, lässt die Leitstute die Neue in die Herde. Kristiane Schott atmet durch, ihre Lächeln ist wehmütig. „Gottlob, oft kommt es zu bösen Verletzungen“, sagt die Deutsche, die seit Langem in Irland, Irland lebt, ganz im Südwesten des Landes, man könnte sagen: Am A… der Welt. Sie hat eine kleine Farm gepachtet, irgendwo im Nirgendwo, zwischen einem gefährlichen Moor, das wie ein Irrgarten ist, und windgepeitschten, kahlen Anhöhen. Kristiane hat gerade nicht versucht, ein neues Pferd in eine Herde auf ihrem Hof zu integrieren. Nein, ihr gehören diese Tiere nicht! Aber diese Stuten kannten sich in der Tat von früher, aus einem Leben, das aus menschlicher Obhut, Reiterei, Futter und Ställen bestand. Sie kennen sich aus einer Zeit, als es dem Land noch besser geht, die Wirtschaft boomt und die Menschen genug Geld verdienen, um Pferde und Hunde artgerecht zu halten. Doch die noch immer schwelende Krise nach dem Bankencrash im Jahr 2009 trifft Irland hart – und aller unnötiger Ballast muss weg. Pferde gehören dazu, sie werden auf gut Irisch entsorgt, indem man sie aussetzt! Gerne in Kristianes Region, weil es hier nicht auffällt, wenn auf einer winzigen Straße ein Perdehänger anhält und ein Pferd hinausgeworfen wird. Rund um Kristianes kleine Farm gibt es sechs, sieben Herden, jede besteht aus gut 20 Pferden. Doch das interessiert niemanden. Sie bewegen sich auf Kommunalland, die Legende in der Region besagt, sie gehörten einem Mann, der nach deutschen Maßstäben ein Messie ist und auf einem völlig verwahrlosten Anwesen lebt. Eine Ansicht, die vor allem bequem ist. Eigentlich gehörten diese Pferde einst einem Anwalt, der Schülerin, dem Züchter, dem Farmer, der Lehrerin – Leute, die sie allesamt nicht mehr finanzieren wollen und können.

Kristiane Schott sieht jeden Tag Tragödien: „Manche haben sogar noch ihr Halfter in Fetzen dranhängen. Ganz schlimm sind oft die Hufe, herausgebrochene Eisen, Hufe wie Schnabelschuhe.“ Dazu kommen böse Wunden, entstanden durch Rangordnungskämpfe.

Ehemals gut behütete Tiere müssen nun ihre alten Instinkte abrufen und wie Wildpferde leben. Gerade geht die Urlaubssaison in Irland zu Ende, die Gäste reisen ab voller Eindrücke von spektakulären Küsten, Steinkreisen und Rinderherden. Irgendwo haben sie sicher Pferde gesehen und gedacht: Ach, haben die es schön hier! Kristiane Schott schüttelt müde den Kopf. „Ja,der Eindruck mag entstehen, und wenn man jetzt im Sommer auf die Pferde blickt, sehen die ja auch vergleichsweise gut aus.“ Selbst wenn Irland eine ungewöhnliche Dürreperiode hatte, gelegentlicher Regen ließ das Grün nicht komplett im Stich. Kara Schott, die Tochter von Kristiane, lebt in Hamburg und unterstützt ihre Mutter: „Der Klimawandel trifft karge Regionen ungleich härter. Die Sommer werden heißer, die Stechmücken unerträglicher, die Winter härter.“ Kristiane und Kara versuchen alles, die Not der Pferde zu lindern. Sie verteilen Heu außerhalb des Zaunes und sind auf jede Heuspende angewiesen. Und dann kommen sie, die Herden: Es entstehen Verteilungskämpfe, rangniedere Tiere haben oft das Nachsehen. „Es zerreißt einem das Herz“, sagt Kara. Vor allem, weil Menschen das Elend verursacht haben. „Ich kann das nicht alles auf die Rezession schieben“, sagt Kara. „Da liegt auch eine Abgestumpftheit darin. Zudem wird weitergezüchtet, obwohl viele Tiere nicht verkauft werden können. Manche Pferde werden sogar auf einem entlegenen Hof angebunden und verhungern jämmerlich.“ Schätzungen gehen davon aus, dass auf der Grünen Insel 25 000 ausgesetzte Pferde leben. Die Dunkelziffer ist höher. Und der Winter kommt. „Besonders schlimm trifft es die vielen verstoßenen Esel, die mit Kälte und Nässe noch schlechter zurechtkommen.“ Und es sind viele Fohlen darunter, mit sehr geringen Chancen, den kommenden Hungerwinter zu überstehen.

DANKSAGUNG
Wegen der großen Resonanz auf den Zeitungsbericht, wurde diese Danksagung in der Wochenendausgabe vom 29./30. September des Münchner Merkurs veröffentlicht!

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